Weihnachtspredigt 2020 (geplant für die Christvesper):

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herren Jesus Christus

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

unter Coronabedingungen feiern wir Weihnachten nicht nur draußen, sondern auch möglichst kurz, damit wir das Infektionsrisiko minimieren.

 

Die kürzeste Weihnachtsbotschaft hat der Apostel Paulus im 1.Brief an Timotheus verfasst (1.Tim, 3,16):

 

Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Es ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. Amen

 

Ziehen wir die 6 Vorhänge zum großen Geheimnis der Heiligen Nacht nun auf, einen nach dem anderen. Denn jeder Teilsatz hier ist komponiert wie in einer antiken Thronbesteigungshymne. Allerdings stellt das Weihnachtsgeschehen die Thronbesteigung auf den Kopf: Gott steigt nicht hinauf auf einen himmlischen Thron, er macht sich klein, er kommt herab in unsere Welt.

 

1.      VORHANG: Offenbart im Fleisch, d.h. Gott ist Mensch geworden, geboren nicht wenigstens als griechischer Halbgott, als Übermensch (nach Nietzsche) oder gar als „Herrenmensch“ – nein: Gott hat sich eine jüdische Handwerkerfamilie im Nahen Osten ausgesucht. Maria und Josef mit dem Jesuskind, später noch mit einem Stall voller Geschwister. Zimmermann war der Vater, also nichts Aufregendes und gelebt haben sie in einer Unruheregion am östlichen Rand des damaligen römischen Reiches. So arm waren sie, dass Maria in Bethlehem im Viehstall ihr erstes Kind zur Welt bringen musste und dann soll sie es in Windeln in eine Futterkrippe gelegt haben. So sieht Armut aus. Und genau deswegen sind Millionen Menschen auf dieser Welt stolz darauf, Christen zu sein. Menschen, die nichts haben als ihren Glauben, die nicht wissen, wie sie heute Abend ihre Kinder satt kriegen! Aber sie sind stolz darauf, dass er einer von ihnen war. Dass Jesus im Stall und nicht im Palast geboren ist. Das sagt sehr viel über unseren Glauben!

 

2.      VORHANG: Gerechtfertigt im Geist – das ist ganz einfach: Das Kind in der Krippe, der spätere Wanderprediger und Missionar Jesus von Nazareth: Er war so voller Liebe, er war als einziger von uns frei von Schuld und Sünde. Wir sagen, der heilige Geist, das ist der Geist der Liebe und des Friedens; er geht von ihm aus und auf uns über. All der Lichterglanz heute will uns daran erinnern.

 

3.      VORHANG: Erschienen den Engeln. Die Engel sind Boten Gottes. Kennen wir alle, z.B. als Schutzengel, oder als liebe Menschen, die uns weitergeholfen haben. Manchmal sind Engel aber keine Menschen, eher Ereignisse, Geschehnisse, die uns auf etwas anderes hinweisen und uns in der Regel warnen. Ich nenne das mal lieber Engelsbotschaften.  Das können auch Unheilsbotschaften sein, so wie diese Coronapandemie. Sie ist weiß Gott, schon schlimm genug. Hunderttausende sind schon daran gestorben weltweit, Hundertausendfach haben diese menschenfeindlichen Viren Unglück über unser Leben gebracht. Aber was wäre denn, wenn das alles auch als eine Warnung Gottes vor ungleich Schlimmerem zu verstehen wäre? Wenn die Coronapandemie uns vielmehr sogar Wege weist, besser mit solchen schlimmen Katastrophen umzugehen?  Das Gute im Schlechten wäre dann, dass wir daraus lernen. Das eigentlich Katastrophale, das Menetekel am Horizont ist ja nicht eine Pandemie, die nach spätestens zwei Jahren wieder verschwunden ist, sondern die Klimakatastrophe, die, wenn sie eintritt, eben nicht nur vorübergehend und nicht durch die Entwicklung eines Impfstoffs zu besiegen wäre. Wenn die Erderwärmung wirklich über 2 Grad steigt und außer Kontrolle gerät, dann Gnade uns Gott.  Aber haben wir nicht etwas gelernt in diesem Jahr? Wissen wir jetzt wieder, wie viel wichtiger als Kaufen und Haben und Mehrhaben uns die geliebten Menschen sind, und die Arbeit und das Lernen für die Kinder? Und dass eine ganze Gesellschaft, ja die ganze Welt sich einschränkt, um der Schwächsten willen, der Alten und Kranken willen, ist eine wunderbare Lektion. Ob wir uns dann auch so einschränken, damit unsere Kinder und Kindeskinder noch in einer lebenswerten Welt leben dürfen?

 

Ich glaube tatsächlich, dass in der Coronapandemie eine Engelsbotschaft versteckt ist, die lautet: Fürchtet euch nicht! Bleibt vielmehr in der Liebe Jesu Christi und dann handelt so, dass Ihr überlebt. Gott will uns Zukunft und Hoffnung schenken. Wenn wir so eine Pandemie beherrschen, dann können wir doch auch umdenken, um die Klimakatastrophe noch zu verhindern. Dann können wir doch auch die Wirtschaft, den ganzen Energie- und Verkehrssektor und die industrielle Landwirtschaft ganz schnell umsteuern.

 

4.      VORHANG: Gepredigt den Heiden. Das übrigens sind wir. Leute, die keine Juden sind. Wir dürfen aber auch bei Gott sein, sagt uns die Weihnachtsbotschaft. Mit unseren älteren Geschwistern, mit den Juden zusammen, gehören wir auch zu Gott. Aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Jetzt sind wir nämlich dran: Gut, dass wir heute hier draußen sind, wo uns jeder hören kann, nicht so weit weg, hinter den Kirchenmauern. Denn das Christkind hat für uns eine Botschaft:

 

„Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe ich bin bei euch bis an der Welt Ende (Mt 28,18-20).

 

Das Christkind ist nicht so zurückhaltend, wie wir oft. Heute hört man ja ständig: es solle doch jeder glauben, was er oder sie will. Wer das sagt, ist in Wahrheit gleichgültig gegenüber den Anderen. Die sind ihm egal. Christus aber sind die Menschen nicht egal. Kein einziger. Und deshalb will er, dass wir die frohe Botschaft allen Menschen weitersagen. Auch den neuen Heiden, den Atheisten: Gott liebt jeden Menschen und Punkt

 

.5.VORHANG: Geglaubt in der Welt. Es gibt keinen Ort dieser Welt, wo die Weihnachts-botschaft bis heute nicht hingekommen ist. Sogar in China, in Nordkorea oder im Iran gibt es Christen, die heute meist unter Lebensgefahr das Weihnachtsevangelium lesen und weitererzählen. Auch unsere muslimischen Glaubensgeschwister können unser Fest mitfeiern, denn auch sie wissen: Gott ist in diesem Kind Jesus, das sie arabisch Issa nennen, zur Welt gekommen! Gott will, dass wir Menschenkinder alle Frieden finden, denn Gott liebt alle Menschen! Es ist so einfach, so schön und wunderbar. Wir erkennen an Weihnachten, was wirklich zählt.

 

Und jetzt der letzte Satz – ich ziehe den letzten VORHANG zum Heiligen auf: “Aufgenommen in die Herrlichkeit“. Hier schaut die Bibel nach vorne: Das Kind Jesus wird auch einmal groß. Und aus der Krippe wird das Kreuz. Es ist aus demselben Holz geschnitzt. Wenn wir heute Nacht die Geburt des Christkindes feiern, können wir nicht ganz ausblenden, wie die Welt ihn aufgenommen hat. Dass alle geschrien haben: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Dass die Menschen schon immer lieber um ihren eigenen Bauch kreisten, als um ihre Seele, dass die Menschen immer schon lieber ihren Egoismen nachgingen, als die Liebe in der Welt zu verbreiten. Und so war das Göttliche im Alltag schon immer ein sehr zartes Pflänzchen, das man oft genug vergaß, zu gießen. Auch das neugeborene Christkind musste am Ende Asyl suchen, in Ägypten, wie so viele bei uns heute. Gott kann uns die Welt nicht ändern – aber seit Weihnachten wissen wir, wie es sein könnte! Denn das Licht ist mit Jesus in die Welt gekommen. Und wir sehen klar: Das Christkind zeigt uns das Paradies. Hinter dem letzten Vorhang scheint das ewige Leben auf, das Ziel unseres Lebens mit Gott. Amen

 fw

 

 Predigt zum 26.12.2020

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus,

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

700 Jahre vor Weihnachten, vor dem allerersten Weihnachten, also vor der Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem hat ein Prophet namens Jesaia von der Geburt des göttlichen Kindes in seinen Worten gesprochen.

 Er sprach vom Leid der Menschen und davon, dass mit diesem Kind alles anders würde. Hören Sie auf die Prophezeiung (JES 9,1-6)

 

L.G. stellen Sie sich mal vor, ich wäre Jesaia – ich sage Ihnen jetzt in meinen Worten aus dem 21. Jahrhundert, was ich glaube, was uns dieser alte Jesaiatext sagen will:

 Also ich als Prophet, ich sage Ihnen hier in dieser modernen Zeit: Glauben Sie nicht, dass Sie die einzigen sind, die zu klagen haben.

 Bei uns damals war es weiß Gott auch nicht leichter. Über unserem Land lag auch viel Dunkelheit. Dröhnende Soldatenstiefel und blutverschmierte Soldatenmäntel gehörten damals zur Tagesordnung. Das war wohl noch schlimmer, als Eure Virusinfektionen heute.

 

Und da, in dieser Situation sagte GOTT zu mir: Du, Jesaia schreibe diese Worte auf:

 

„Das Volk das im Finsteren wandelt, sieht ein großes Licht. Und über denen die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell!“

 

Und ich fragte GOTT: Was meinst du? Was für ein Licht? Und er sagte: Euch wird ein Kind geboren. Ja, ein Baby. Ein Mensch, so wie ihr. Er wird euch wunderbaren Rat geben, ihr werdet ihn bewundern, er wird für euch der Held sein, von ihm kommt euer Friede, wahrer Friede. Ihr könnt ihn den Fürsten des Friedens nennen. Und seine Herrschaft, einmal angefangen, wird nie zu Ende gehen.

Ich habe das alles aufgeschrieben, aber ich möchte auch sagen, dass ich mir das eigentlich anders vorgestellt hatte. Es wurde ja nicht gleich hell in unserem Land Israel. Es blieb noch lange, sehr lange, sehr dunkel, bis dieses Wort von dem neugeborenen Kind, diesem Friedefürsten, sich nach über 700 Jahren schließlich erfüllte. Allerdings ganz anders, als gedacht.

Tja: Gott versprach Rettung durch ein Kind – und wir machten uns damals Gedanken über die Weltpolitik. Damals war unsere Existenz durch die Großmacht Assyrien bedroht. Unser kleines Land lag zwischen den beiden Militärmächten Assyrien und Ägypten. Pest oder Cholera, würde man heute dazu sagen. Auf Politik übertragen: Uns ging es wohl ähnlich wie den Menschen in Belarus: Wir wollten einfach frei sein und nicht zum Spielball irgendwelcher Mächte werden. Aber die Gewalt war damals und ist heute längst noch nicht besiegt. Es scheint immer noch so, als würde sie gewinnen. Aber da wächst dieses ganz andere: Das Gewaltlose, die Kraft in den einfachen Menschen, das Gottvertrauen.

So habe ich den Leuten auch immer gesagt: Vertraut nicht nur auf die große Politik – vertraut zuerst auf Gott. Aber auf mich hat damals keiner gehört. Ist ja immer so: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

Wie ist es nun bei Euch, hier im fernen Deutschland, 2020 Jahre nach der Geburt des Kindes?

 

Kein Krieg, keine Diktatur, kein Hunger, keine Armut und trotzdem herrscht hier ja genauso großes Gejammer wie bei uns damals: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“ habe ich damals geschrieben. Aber für Euch heute würde ich schreiben: Das Volk das im Hellen wandelt, sieht nur schwarz, ganz schwarz!“ Das ist übrigens nicht von mir – ein Schriftsteller, Armin Juhre hat mein Gotteswort in den Zeiten eurer Diktatur, vor rund 50 Jahren schon mal so umgetextet.

Ich glaube, es ist nicht allein Corona, das ist immer so bei Euch, dass ihr soo schwarz seht.

Ihr vertraut nicht auf das göttliche Kind, ihr wollt es wohl nicht wahrhaben, dass es wirklich Licht wird in der Welt. Gott hat gesagt: Ein Kind ist uns geboren und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Vertraut doch mal darauf!

Sicher, ich weiß genau wie ihr: So einfach ist das nicht mit der göttlichen Herrschaft. Bei uns damals haben sich militärisch die Falken durchgesetzt und das Land in ein unvorstellbares Elend gestürzt. Und das Kind, 700 Jahre später? Das haben die Realpolitiker dann ja, kaum dass es erwachsen war, ans Kreuz nageln lassen. Und bei Euch heute – da regiert jetzt die Angst vor diesem Virus. Wenn es nur die Vorsicht wäre, wäre es ja gut: Aber viele drehen regelrecht durch: Sehen große Verschwörungen dahinter. Und viele andere drehen ab – ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück und werden immer einsamer. Eigentlich kann man so eine Pandemie doch mit Vernunft und Augenmaß ganz gut händeln – es sind doch nur vorübergehende Einschränkungen unter denen ihr leidet.

 

Und am Horizont seht ihr doch schon das Licht. Wie gesagt, Ihr heute 2020 Jahre nach dem ersten Weihnachten, habt es doch viel leichter, als wir damals, über 700 Jahre vor Christi Geburt. Wir konnten nur ahnen und hoffen – Ihr könnt es doch eigentlich schon wissen: Mit diesem göttlichen Kind hat Gott in die Welt eingegriffen, er hat begonnen, alles zu verändern, Schritt für Schritt die Welt wieder zu heilen.

Wir sagen, da ist ein großes Licht in die Welt gekommen und wir glauben, dass das die Welt verändert.

 

Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth. So endet meine Prophezeiung. Übrigens, Zebaoth, das ist hebräisch für den Herrn der Heerscharen, also, ich wollte euch damit nochmal sagen, dass GOTT sehr mächtig ist.

Ich weiß, vor Weihnachten wurde bei euch viel diskutiert, ob man auch Kirchen schließen, ob man auch Gottesdienste in dieser Coronapandemie absagen müsse. Und da haben schlaue Menschen nachgedacht, was wir eigentlich tun in so einem Gottesdienst. Wenn es nur um eine liebgewonnene Übung ginge, mit ein wenig Kulturprogramm, dann wäre das wirklich mal ein Grund, hier zuzuschließen. Aber Gott sei Dank haben die schlaueren unter uns erkannt, dass Gottesdienste ja sogar in der Gefahr helfen. Neben der unmittelbaren medizinischen Hilfe ist nichts so gut, wie ein Gottesdienst, um den Menschen Kraft zu geben und Hoffnung, Stärke und Liebe. Nichts hilft besser als ein Gebet und das Hören auf Gottes Wort und das Vertrauen in Gottes Wort, dass das Licht zu uns kommt.

 

Ich Jesaia wünsche Euch von Herzen für diese Weihnacht 2020: Seid vernünftig, schützt Euch, und vertraut auf die Kraft des göttlichen Kindes, das die Welt immer heller machen wird. Amen

f.w.