Kurzpredigt zu Oculi (7.3.21)

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

Kirche ist, was keinen Spaß macht. So sagte mal der berühmte Berliner Theologieprofessor Ernst Lange und der für heute vorgeschlagene Predigttext scheint dieses alte Vorurteil zu bestätigen.

 

In diesem Abschnitt aus dem Brief an die Epheser werden die Gemeindeglieder scharf ermahnt, sich nicht ungehörig zu verhalten. Christen müssten sich in ihrem Lebenswandel deutlich von den Nichtchristen unterscheiden.

 

Hören Sie auf Epheser 5,1-9

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

wir müssen diese Ermahnungen vor dem Hintergrund heidnischer Ausschweifungen lesen, d.h. eigentlich steht hinter jedem Satz „Ihr sollt nicht so sein wie die anderen – Christen müssen echt anders sein!“

 

Anders als die reichen Römer, die berüchtigt für ihre Dekadenz waren, die Sklavinnen und Sklaven für ihre sexuellen Orgien missbrauchten, die ihre Ess- und Saufexzesse verlängerten, indem sie Pfauenfedern benutzten, um den Brechreiz hervorzurufen, damit das Gelage andauern konnte. Wir kennen das Alles aus Filmen und Romanen.

 

Aber, bevor wir angewidert denken „wie gut, dass wir nicht mehr im römischen Reich leben“, sollten wir auf die Schattenseiten unserer modernen Kultur schauen:

 

Gerade in der lockdown Phase soll der Konsum von Kinderpornographie auch hier in Deutschland noch einmal stark angestiegen sein. Und wir wissen: Dieser gefilmte Missbrauch von Kindern findet ja tatsächlich statt – da werden Kinder gequält, damit Erwachsene sich daran befriedigen. Und der institutionell tolerierte Kindesmissbrauch in Erziehungseinrichtungen, in Kirchen und Sportvereinen ist längst noch nicht vollständig aufgearbeitet. Wir schauen ja zurzeit mit Unverständnis auf die sehr bedächtige Untersuchung im Bistum Köln.

 

Gut, das alles betrifft uns hier nicht. Ähnlich wie im römischen Reich übrigens, wo auch nur eine kleine Gruppe das Bild einer ganzen Gesellschaft diskreditiert hat. Aber die entscheidende Frage ist: Wie gehen die anderen, wie geht die große Masse der Menschen, mit solchen Missständen um?

 

Und ich befürchte, auch da unterscheidet sich unsere Gesellschaft wenig von der damaligen: Die Sensationslust ist hoch. Viele Menschen wollen vielleicht nicht selbst am schlimmen Tun beteiligt sein, aber sie schauen schon gerne hin! Sie reden gerne darüber.

 

Damals berauschten sich die Massen in der Arena, wenn dort Menschen zu Tode gebracht wurden. Heute gibt es einen Stau auf der Autobahn, wenn auf der Gegenfahrbahn ein Unfall passierte, weil dann so viele anhalten um ein Foto der Verletzten oder gar Toten zu schießen.   In der Lausitzer Rundschau gibt es immer samstags eine ganze Seite einen Text über irgendein besonders grausames Verbrechen aus der Region. Es wird ja anscheinend gelesen.

 

Und wenn man in der Coronazeit abends zulange vor dem Fernseher saß und durch die Programme zappte, landete man immer wieder auf irgendwelchen Kanälen, in irgendwelchen Shows, wo es um Ehebruch ging, oder wo Menschen einander beleidigten oder noch schlimmer verletzten.

 

Unterhaltung auf Kosten anderer gab es schon bei den alten Römern, und bis heute hat die Gesellschaft nichts hinzugelernt. Nur die Christen haben hier eine Grenze gezogen. In unserem Predigttext ist ja ein ganzer Katalog aufgeführt von Verhaltensweisen, die Christen nicht gestattet sind: Unzucht, Unreinheit, Habsucht, schändliches Tun und närrisches, loses Reden und dass man sich nicht verführen lassen soll von leeren Worten. Diese Begriffe zeigen an, wo die Grenze ist, was wirklich nicht geht. Diese Grenzen sind weit gesteckt – es ist durchaus nicht so, dass im Christentum alles verboten ist, was Spaß macht. Im Gegenteil, ich würde sogar sagen, gerade das, was Spaß macht, ist sehr christlich, aber das, was nur der Unterhaltung dient, was nur kurzfristig die Sensationsgier befriedigt, das ist nicht christlich. Und wichtig ist, dass die Bibel nicht unterscheidet zwischen dem schlechten Tun und dem Sich-am-schlechten-Tun-erfreuen. Die die „nur“ reden, sind nicht besser, als die Täter. Das wissen wir auch aus der Politik: Die die verächtlich über Flüchtlinge oder Juden oder irgendwie andersartige Menschen gesprochen haben, haben die Mörder von Halle und Hanau ja erst dahin gebracht. Diejenigen, die Kinderpornographie im Netz anschauen, sind ja die Verursacher solchen Missbrauchs. Würde das niemand sehen wollen, würden solche Bilder ja nicht mehr gefilmt. Also genügt es nicht, wenn Christen sich am Bösen nicht beteiligen. Manchmal ist es schlimm genug, vom Bösen zu wissen und nichts dagegen zu tun. In letzter Konsequenz bin ich womöglich schuld an einem Mordanschlag auf einen Ausländer, weil ich einmal geschwiegen habe, als ich zufällig im Supermarkt jemanden gehört habe, der eine abfällige Bemerkung über Ausländer gemacht hat. Und weil ihn niemand korrigiert hat, hat er öfter abfällig geredet und das hat irgendwann jemand ernst genommen. Und ich, der schweigende Hörer solch losen Redens bin mitschuldig geworden.

 

Es gibt eine Geschichte, die solches böses Nichtstun illustriert:

 

In der Hölle war noch genau ein Platz frei. Der Teufel wollte nun selbst aussuchen, wer diesen Platz bekommt. Irgendein Massenmörder oder Kinderschänder würde sich doch schon finden lassen. Nun standen da ganz viele mögliche Kandidaten. Der Teufel fragte alle, was sie getan hatten und es war sehr schlimm! Aber dann sah er einen, der stand etwas abseits. Den fragte der Teufel, was er denn getan habe: „Nichts. Ich habe nie etwas Schlimmes getan. Ich habe so viel Schlimmes gesehen, sagte er. Die Welt ist so furchtbar. In meiner engsten Umgebung habe ich Furchtbares erlebt. Aber ich habe mich nie eingemischt. Ich habe mich immer als Allem herausgehalten.“

 

Da sagte der Teufel: Du bist genau der Richtige. Und als er ihn in die Hölle eintreten ließ, habe der Teufel sich, so heißt es, an die Wand gedrückt, damit er von jenem Menschen nicht berührt werde.

 

 

 

Uns Christen steht ein anderes Verhalten an: Unser Text wird mit einem entscheidenden Begriff eingeleitet: „Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe“. Das steht nirgendwo sonst in der Bibel. Aber wir können das: Gott nachahmen als seine Kinder!  Ich denke da zuerst an die schöpferische Kraft Gottes: Liebevoll hat Gott einen Garten Eden für seine Geschöpfe geschaffen. Liebevoll können auch wir unsere Welt schaffen: Ich kann mein Umfeld tatsächlich verändern mit der Kraft der Liebe, mit Freundlichkeit, mit Herzlichkeit und Ehrlichkeit, ohne Falsch und ohne Eigennutz. Stück für Stück kann ich doch meine kleine Welt verändern, kann Liebe sähen und reichlich ernten.

 

So wie es Jesus sagte: (Mt 5, 14-16): „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter. So leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

 

Ich stelle mir vor, wir wollen das: Wir wollen Leuchttürme in dieser dunklen Welt sein. Christen, die die Liebe Gottes ausstrahlen, die weithin leuchten. Menschen, von denen man sich erzählt: Die sind gut. Die halten sich nicht mit blödem Geschwätz auf. Die machen nicht immer andere Leute runter, die machen nicht alles schlecht, sondern sind dankbar für das Positive. Gerade in Coronazeiten kann man das beobachten: Christen sind dankbar, dass es überhaupt Impfungen gibt. Sie akzeptieren alle Bemühungen zum Wohle der Menschen und konzentrieren sich nicht immer nur auf das was schiefgelaufen ist. Christen sind Menschen, aus denen die Dankbarkeit spricht. Schon wenige christliche Leuchttürme können eine ganze Gesellschaft erleuchten.

 

So ist ein christliches Leben von Liebe geprägt, von Dankbarkeit, und damit durchaus auch von Spaß: Doch, Kirche macht Spaß, weil ich weiß, dass ich hier gut aufgehoben bin. Ich kann mich auf diese Gemeinschaft hier verlassen. Amen